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Hund und Katze

Bild: xy / stock.adobe.com

Veganes Hunde- und Katzenfutter

Das Thema wird heiss diskutiert: Immer häufiger füttern Veganer ihre Katzen und Hunde rein pflanzlich. Mittlerweile sind sehr viele Tierfutter im Angebot, die ein ausgewogenes Verhältnis der verschiedenen Nährstoffe versprechen.

Natürlich befürworten wir vegane Ernährung. Für den Menschen. Wir verfügen über mehrere evolutionäre Vorteile, die es uns ermöglicht haben, uns auf der ganzen Welt zu verbreiten, die Intelligenz zu steigern und zur dominanten Spezies zu werden. Dazu gehören beispielsweise der aufrechte Gang oder die Entwicklung eines Daumens, beides Merkmale, mit denen für sich allein manche Wissenschaftler den unglaublichen Erfolg des Homo Sapiens zu erklären versuchen. Ein weiterer Trumpf bei der Eroberung des Planeten war die simple Tatsache, dass wir Allesfresser sind. So konnten unsere Ahnen in nördlichen Regionen ebenso überleben wie im tiefsten Süden. Selbstverständlich bevorzugten schon unsere Urahnen die fruchtbaren Flusstäler, die Wiege(n) der Zivilisation. Aber Nomadenstämme durchstreifen nach wie vor die Wüste, Inuit leben in der Arktis und auf Grönland, andere Völker im Dschungel, in Trockengebieten oder auf Inselgruppen am Meer. Heute sind wir so fortgeschritten, dass wir unsere Nahrungsmittel selbst produzieren. Wir sind längst nicht mehr darauf angewiesen, sie irgendwo in genügender Form zu finden.

Sonstige Tierarten sind deutlich spezialisierter, beispielsweise die Raubtiere. Sie benötigen unbestritten Nährstoffe, die es ausnahmslos in tierischer Nahrung gibt. Ihr Organismus hat sich angepasst. Da Evolution bekanntlich ein äusserst langwieriger Prozess ist (der übrigens auch beim Menschen noch nicht abgeschlossen ist), können Karnivoren nicht einfach so auf pflanzliche Nahrungsquellen umstellen.

Indem man sagt, „vegane Ernährung für Hunde und Katzen ist nicht natürlich“, macht man es sich jedoch zu leicht. Das handelsübliche Tierfutter aus Schlachtabfällen ist es ebenfalls nicht; Rinder oder Schweine gehören nicht gerade zu den Beutetieren eines Stubentigers. Stiftung Warentest führt häufiger Untersuchungen von Katzen- und Hundefutter durch, wobei jedes Mal einige Marken durchfallen. Zu salzig, zu unausgewogen, zu viele Schadstoffe. Ein Hundefuttertest von Saldo zeigt dasselbe Resultat: Drei Produkte sind nicht als Alleinfuttermittel geeignet. Die Methoden der Prüfer werden aber gleichermassen kritisiert, unter anderem, weil ungenaue Fütterungsempfehlungen zu einem massiven Abzug führen. Während klar ist, was die Tiere brauchen, sind sich die Fachleute über die ideale Zusammensetzung ohnehin nicht ganz einig. Besonders bei Katzenfutter bemängeln viele einen zu niedrigen Fleischanteil.

Hunde sind seit Jahrtausenden domestiziert (die Schätzungen gehen bis 100’000 Jahre). In dieser Zeit konnten sie sich in einem gewissen Grad daran anpassen, was ihnen verfüttert wurde. Heute gelten sie für einen Grossteil der Fachleute nicht mehr als reine Karnivoren, sondern als Allesfresser. Trotzdem benötigen sie einige Stoffe, die nur in tierischer Nahrung vorhanden sind, darunter Taurin. Das Fehlende lässt sich synthetisch herstellen und wird veganem Futter und Nahrungsergänzungen beigegeben. Manche Experten weisen darauf hin, dass die Lebenserwartung des Hundes dennoch verkürzt werden könne.

Katzen hingegen sind echte Raubtiere geblieben und reagieren deutlich empfindlicher auf falsche Ernährung. Sogar das Konzept, sie überhaupt zu füttern, ist neueren Datums (Dosenfutter gibt es seit den 1950er Jahren). Sie waren Selbstversorger, deren Aufgabe die Schädlingsbekämpfung war. Sie schützten z. B. Nahrungsmittelvorräte unserer Vorfahren in Getreidespeichern vor Ratten und Mäusen. Ihr Organismus braucht Vitamin D, Retinol und verschiedene Aminosäuren, die ausschliesslich in tierischer Nahrung vorkommen. Sehr theoretisch lassen sich diese Nährstoffe bedarfsdeckend supplementieren. Praktisch müsste man dazu das richtige Verhältnis kennen, worüber sich Fachleute längst nicht einig sind. Es fehlen Studien zum Thema, vor allem Langzeitstudien. Kleinstudien kamen zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Tiere mangelernährt waren. Tiermediziner raten mit wenigen Ausnahmen von einer veganen Fütterung ab. Die Lebenserwartung und vermutlich die -qualität sinken.

Befürworter dieser Ernährung haben dagegen einige Argumente bereit. Katzen mit Freilauf könnten sich ja draussen holen, was ihnen zu Hause fehlt. Oder Tiere wüssten genau, was sie zum Überleben brauchen. In Wirklichkeit fressen sie eben ihre Beute oft nicht mehr, weil ihnen das Futter besser schmeckt. Ihre kulinarischen Vorlieben haben leider mit Gesundheit ebenfalls nichts zu tun. Dazu gehören die absurdesten Nahrungsmittel wie Pellkartoffeln, Gemüse, Basilikum, Nüsse oder Chips. Jeder Katzenhalter weiss, dass er aufpassen muss, dass sie nicht zu viel Schädliches oder gar etwas Giftiges stehlen können. Übrigens gilt bei Katzen sogar eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung als gesundheitsschädlich. Wenn eine Katze veganes Futter mag, sagt das also nichts aus über den Nutzen für die Gesundheit.

Hardcore-Veganer werden nun einwenden, dass erwiesen sei, vegane Nahrung sei gesünder für das Tier. Sie stützen sich auf Selbsterfahrungsberichte von Besitzern, einige kaum aussagekräftige Kleinststudien und PETA. Vor allem aber steht Glaube dahinter, gegen den man mit blossen Fakten nichts ausrichten kann. Das schaffen wir noch weniger als Tierschutzverbände und Tiermediziner.

Natürlich verstehen wir, warum jemand sein Haustier vegan ernähren möchte. Hauptsächlich geht es darum, die Fleischindustrie nicht zu unterstützen. Doch selbst bei Katzenfutter beträgt der Fleischanteil in der Regel keine 50 %. Zudem besteht er aus sogenannten „tierischen Nebenerzeugnissen“, die zur Verwendung als Lebensmittel nicht geeignet und / oder nicht zugelassen sind. Verwerten lassen sie sich anderweitig, beispielsweise in der Düngemittelproduktion. Mit rein pflanzlicher Fütterung schaden Sie also nicht der Fleischindustrie, sondern mit höchster Wahrscheinlichkeit Ihrem Liebling.

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