Toggle (Hamburger) zum Umschschalten des Menüs
Viele versuchen, mit den eigenen ethischen und moralischen Vorstellungen, andere in geistige Ketten zu legen.

Bild: beeboys / stock.adobe.com

Moral und Ethik

Natürlich sind moralische und ethische Ansichten ein hervorragender Grund, Vegetarier oder Veganer zu werden, aber als Argument in einer Diskussion sind sie meiner Meinung nach völlig fehl am Platz. Unser Planet wäre nämlich ein deutlich friedlicherer Ort, wenn Menschen nicht ständig versuchen würden, anderen ihre Moralvorstellungen aufzudrücken.

„Richtig“ oder „falsch“ sind, sofern nicht gesetzlich geregelt, persönliche Entscheidungen, die jeder für sich treffen muss. Das ist derselbe Grundsatz, der beispielsweise Religionsfreiheit ermöglicht. Wir als Vegetarier und Veganer müssen ausserdem bedenken, dass wir lediglich eine kleine Minderheit darstellen. Die überwiegende Mehrheit findet es offenbar ethisch sehr wohl vertretbar, Tiere zum Verzehr zu züchten und zu schlachten. Mit moralischen Appellen lässt sich dagegen nichts ausrichten, sondern nur mit belegbaren Tatsachen.

Beispielsweise waren vor einigen Jahrzehnten Ohrfeigen und sogar Prügel Teil der gängigen Erziehungsmethoden. „Das hat noch keinem geschadet“, hiess es damals (und viel zu oft auch heutzutage). Eltern, die schliesslich die Verantwortung dafür tragen, dass aus dem Kind einmal „etwas Rechtes“ wird, sahen es geradezu als Pflicht, Fehlverhalten mit Gewalt zu bestrafen. „Das tut dir mehr weh als mir“, behaupteten sie, wobei der eine oder die andere sich vermutlich erfolgreich einreden konnte, dass das der Wahrheit entspräche. Noch früher war es üblich, dass Lehrer ihre Schüler mit Schlägen bestraften, das Lineal ein erprobtes Mittel zur Förderung der geistigen Wachsamkeit – oder so ähnlich. Sie kennen vielleicht den Spruch „Wer sein Kind liebt, züchtigt es!“, der im Übrigen auf die Bibel zurückgeht. Das stimmte überein mit der gängigen Moral und nicht zuletzt der Tradition.

Obwohl die Ohrfeige als Erziehungsmassnahme durchaus noch Anhänger hat, ist sie in zahlreichen Ländern bereits seit Jahren verboten. In der Schweiz ist sie wenigstens verpönt, selbst wenn kein Züchtigungsverbot besteht. Prügel wird so oder so als Misshandlung betrachtet und entsprechend geahndet. Der Prozess ist nicht abgeschlossen, aber die Veränderungen wurden mit Fakten erreicht, nicht mit dem mahnenden Zeigefinger irgendwelcher Moralapostel. Was passiert mit einem geschlagenen Kind psychisch und physisch? Diese Antworten haben im Laufe der letzten 40 Jahre die Haltung zu körperlichen Strafen verändert. Fakten und Information.

Wünschen wir uns also, dass sich die Einstellung in der Bevölkerung zur vegetarischen Ernährung wandelt, sollten wir darauf verzichten, anderen unter die Nase zu reiben, wie viel besser wir moralisch betrachtet halt doch seien (was ohnehin so nicht stimmt), sondern sachlich informieren.

Letzte Änderung: 10.09.2017